Was ist der wahre Wert des Waldes?

Immer wenn ich im Wald bin, freue ich mich an ihm. Dabei freuen wir uns alle an dem Wert, den der Wald für uns hat. Wir sind uns alle einig, dass der Wald wertvoll ist. Leider vergessen wir dabei in den Diskussionen, die wir über den Wald führen, dass der Wald sehr viele Werte vereint. Was ist also der Wert des Waldes?

Der wahre Wert des Waldes ist so vielseitig und es kommt auf die Ansprüche der verschiedenen Personen an. Generell liefert der Wald den Lebensunterhalt für die einen, während er für andere vor allem ökologische Aufgaben hat. Für wieder andere ist der zentrale Wert in der Erholung beim Spaziergang.

Welche verschiedene Werte es genau gibt, wollen wir in diesem Artikel einmal aufzeigen.

Die Werte des Waldes gehen aus den Funktionen hervor. Die verschiedenen Funktionen haben wir in diesem anderen Artikel über „Was ist Wald?“ schon beschrieben.

https://youtu.be/Ip3kMZaGGr4

Der Wald als Holzlieferant

In Deutschland leben sehr viele vom Wald. Die meisten davon leben von der Holzproduktion. Dabei sind dies nicht nur die Förster und Waldarbeiter, sondern auch die Lieferanten, Sägewerke und Tischlereien.

Deshalb fangen wir beim Holz an. Wirtschaftlich gesehen ist die Holzverarbeitung der größte finanzielle Wert.

Auf der einen Seite können wir den jährlichen Holzeinschlag für die Wertbestimmung heranziehen. Das ist der Umsatz, von dem die Angestellten des Waldes leben. Die Holzpreise haben immer wieder Schwankungen und besonders durch den Borkenkäfer, sind die Fichtenpreise sehr schwierig gewesen.

Der Wert des Holzes ist von der Baumart und Qualität abhängig. Krummes Holz mit vielen Ästen bringt sehr wenig Geld, wohingegen Holz, dass gerade und astfrei ist, viel Geld bringt. Die Holzproduktion ist eines der größten Themen in der Forstwirtschaft, denn Naturschutz zahlt nunmal keine Brötchen.

In Deutschland sind Fichten und Kiefern die Brotbaumarten, die für den meisten Umsatz verantwortlich sind.

Für den Waldbesitzer ist beim Verkauf von Waldstücken vor allem aber der Holzvorrat interessant. Der Holzvorrat ist alles Holz was auf der Fläche steht. Dabei können die Preise sehr weit auseinander gehen, denn je nach Baumart können sind die Unterschiede im Wert groß. Besonders bei sehr alten Buchen- und Eichenbeständen, lässt sich sehr schwer nur der Preis abschätzen.

Aktuell entbrennen immer wieder hitzige Diskussionen darüber, wie viel Holz wir aus dem Wald entnehmen dürfen. Dabei werden die Stimmen lauter, dass der Wald besser nicht befahren werden darf und kein Holz mehr geerntet werden darf.

Dazu ist auch entscheidend wer den Wald besitzt. Mehr Informationen zu den verschiedenen Waldbesitzarten und Besitzern bekommt ihr in unserem Blogartikel dazu.

Für mich ist sehr wichtig, dass bei diesen Diskussionen berücksichtigt wird, dass es auch um die Arbeitsplätze von vielen Tausenden in Deutschland geht.

In der Forstwirtschaft ist Holz ein sehr wichtiges Thema. Dennoch ist die Holzgewinnung nicht der einzige Wert des Waldes.

holzabschnitte

Die Kategorie der Nichtholzprodukte

In der Forstwirtschaft sprechen wir von Nichtholzprodukte, bei allen Produkten, die wir aus dem Wald gewinnen können, ohne die Holzernte.

Die Jagd

Das erste Produkt ist Wildbret, also Fleisch von Wildtieren. In Zeiten, wo wir weniger Massentierhaltung haben wollen, bietet Wildbret eine sehr gute Möglichkeit für nachhaltigen Fleischkonsum.

Leider wird Wild in Deutschland unterbewertet. Für die meisten ist der Wildbraten eine Rarität und nur für besondere Anlässe geeignet. Die wenigsten essen regelmäßig Wild.

Für die besonderen Anlässe wird das Wild meistens im Supermarkt eingekauft und kommt aus Neuseeland. Dabei findet das regionale Wild vom Jäger nur wenig Beachtung.

Die Interessen der Jäger werden in Deutschland von dem Deutschen Jagdverband vertreten.

Die Bienen und der Honig

Ein weiteres sehr gutes Produkt aus dem Wald ist der Waldhonig.

Der Wald produziert also auch sehr wertvolle Produkte und den Lebensunterhalt für viele Menschen in Deutschland. Diesen Wert können wir nicht vernachlässigen, wenn wir nun über die globalen Werte sprechen.

Das Bienensterben ist in den letzten Jahren ein immer größeres Problem geworden. Bienen sind für den Wald auch wichtige Lebenwesen! Zentral gibt es weitere Informationen vom Deutschen Imkerbund e.V.

Unser Trinkwasser

Ein oft vergessenes Produkt aus dem Wald ist unser Trinkwasser. Der Wald reinigt das Regenwasser und liefert sauberes Trinkwasser. Ebenfalls sind viele Quellen im Wald.

Leider pumpen wir immer mehr Wasser ab. Die letzten Trockenjahre haben den Grundwasserspiegel auch weiter abgesenkt. Daher haben die Bäume immer größere Mühen an Wasser zu kommen.

Pumpen wir unseren Wäldern also das Wasser ab? Das ist eine spannende Frage auf die wir in Zukunft noch antworten werden.

Die globalen Werte des Waldes

Der Wald ist auch global aktiv und wertvoll. Das Roden des Regenwaldes in Südamerika ist immer wieder Thema bei uns. So ist auch der Wald in Deutschland wertvoll.

Dabei gibt es zwei große Werte, die eng durch die Photosynthese verbunden sind. Die Sauerstoffproduktion und die CO2-Speicherung.

Bäume sind unsere Luftfilter und produzieren Sauerstoff. Doch der aktuelle Wert, über den noch häufiger berichtet wird, ist die CO2-Speicherung.

Eine Lösung für den ansteigenden CO2-Anteil in der Atmosphäre könnte die Speicherung in Holz darstellen. Die Bäume speichern den Kohlenstoff in ihren Fasern und er wird erst wieder bei der Zersetzung oder Verbrennung freigesetzt. Besonders im Holzbau kann somit über viele Jahre der Kohlenstoff weiter gebunden werden.

Aber schon im Wald kann diese Speicherung stattfinden. Darunter zählen auch das Totholz und die gesamte bewachsene Fläche. Aus diesem Grund werden Forderungen lauter, weniger Holz aus dem Wald zu ernten.

totholz

Der Wald gehört nicht nur uns allein

Bei all diesen Punkten dürfen wir den Wert für andere Lebewesen nicht vergessen. Der Wald ist auch wichtiger Lebensraum. Daher ist ein Wert des Waldes auch im Natur- und Artenschutz zu finden.

In Deutschland finden wir noch sehr viele Fichten- und Kiefernreinbestände, die nicht sehr biodivers sind. Also die Qualität des Lebensraumes nur für begrenzte Arten möglich ist. Dabei wird angebracht, dass der Mischwald für mehr Arten ein zu Hause sein kann.

In den letzten Jahrzehnten wird der Waldumbau schon vorangetrieben und so können wir sicher sein, dass in Zukunft unsere Wälder weiterhin Lebensraum für die Vielen ist.

Von Naturschutz kann keiner leben

Der große Kritikpunkt am Naturschutz ist, dass von ihm keiner Leben kann. Die meisten Angestellten der Forstwirtschaft leben von der Holzernte. Damit aber mehr Naturschutz stattfinden kann und auch mehr Leistungen für die Natur getätigt werden, wurden vor einigen Jahren die Ökosystemdienstleistungen eingeführt.

Bei ihnen können die Waldbesitzer einen Mehrwert für die Natur bringen und diesen vergütet bekommen.

So wird bei verschiedenen Vorhaben, die die Verschlechterung der Natur oder Versiegelung von Oberfläche als Auswirkung haben, Ausgleichsmaßnahmen gefordert. Dieser Ausgleich kann durch die Ökosystemdienstleistungen erfolgen.

Dabei wurde hierfür ein Punktesystem entwickelt. Die Forstbetriebe können Punkte durch ihre erbrachten Leistungen verdienen. Diese können dann wiederum an die Bauprojekte verkauft werden, damit diese den Ausgleich nachweisen können.

Das System ist sicher noch keine perfekte Lösung bietet aber eine gute Chance, Naturschutz auch finanziell sinnvoll zu gestalten. Dabei kann sicherlich diskutiert werden, wie der Wert von den Ökosystemdienstleistungen bewertet werden kann.

Wir wollen auch in den Wald

Ein weiterer sehr beliebter Wert des Waldes ist seine Erholungsfunktion. Wir gehen gerne in unserer Freizeit in den Wald und spazieren, radeln oder wandern. Der Wald ist unser Zufluchtsort, in dem wir abschalten können.

Daher ist es keine Überraschung, dass der Wert für viele in dem schönen Anblick und der Ruhe liegt.

Dabei wollen wir keine schlammigen Schuhe oder „kaputte“ Wälder. Wir wollen ein idyllisches Waldbild vor uns und vor allem Ruhe.

In Deutschland haben wir ein großes Vorrecht, dass wir jederzeit den Wald betreten dürfen. International sieht das anders aus. Da wir in Deutschland das freie Betretungsrecht des Waldes haben, kann uns, bis auf wenige Ausnahmen, keiner das Betreten des Waldes verbieten. International ist der Wald meistens Privateigentum und darf nur von den Eigentümern betreten werden.

Wenn ihr wissen wollt, was wir alles tun können, schaut doch bei unserem Artikel „Was ist im Wald erlaubt?“ vorbei.

Statt dankbar zu sein, sind wir dazu geneigt, den Wald als unser Eigentum zu bezeichnen, weil wir dort einmal täglich oder wöchentlich unseren Spaziergang unternehmen.

Welche Schwierigkeiten liegen in der Bewertung

Bei den verschiedenen Werten und auch bei der Einordnung stehen wir vor einigen Problemen. Der einfachste Wert ist in den finanziellen Zahlen. Der Wert ist am leichtesten zu vergleichen.

Leider haben die globalen und ökologischen Werte eine Dimension, in der es schwer ist, sie wirklich zu bewerten. Die Vergleiche, die angebracht werden, sind oft sehr verzogen und eine objektive Bewertung ist nicht wirklich möglich.

Die meisten Werte liegen dann doch sehr weit im Auge des Betrachters. Das erschwert unsere Gespräche über den Wert des Waldes, weil wir von anderen Hintergründen kommen. Daher ist nur zu hoffen, dass wir rücksichtsvoll miteinander sprechen.

Letzte Gedanken zum Wert des Waldes

Nach all den verschiedenen Werten und Bewertungen haben wir alle eine eigene Meinung, die vor allem von unserem Bezug zum Wald geprägt ist.

So ist meine Meinung auch nicht frei davon. Ich wünsche mir ein gutes Miteinander im Wald. Der Wald ist für uns alle wichtig aus verschiedenen Gründen. Dies ist eine gemeinsame Grundlage für unsere Gespräche.

Leider beobachte ich besonders von der Seite der Klimaschützer eine aggressivere Haltung gegenüber der Forstwirtschaft, die mich besorgt macht. Ich bin kein Befürworter von Monokulturen, aber möchte, dass die Forstwirtschaft weiter vom Wald leben kann.

Wir benötigen auch Holz für die weiteren Produkte. Dabei ist wichtig, dass wir am Konsum ansetzen und nicht an der Holzernte.

Was ich damit meine ist, dass wenn jeder die Wohnung einmal im Jahr neu einrichtet, wird sehr viel Holz verwendet. Daher wäre es wichtig, wenn wir nachhaltigere Holzprodukte kaufen. So können wir die Holznutzung auch verbessern.

In diesem Artikel sind wir nicht auch alle Werte eingegangen. Der Wald bietet so viel mehr. Eine Übersicht über die Funktionen des Waldes könnt ihr in unserem Artikel über „Was ist Wald?“ nachlesen.

Eine Idee, die mich fasziniert, ist, dass in einigen Stadtwäldern eine Kurtaxe für den Wald eingeführt wurde. Jeder Bürger zahlt somit einen Betrag, der für den Wald eingesetzt wird. So kann der Wert der Erholung verbessert werden. Das geht allerdings nur, wenn auch die Bereitschaft für die private Waldnutzung in der Freizeit auch etwas zu bezahlen, gegeben ist.

Wir alle können mit dem Wald leben, aber wir müssen lernen respektvoll miteinander und mit der Natur umzugehen.

Auf der einen Seite wird die Forstwirtschaft beschimpft und auf der anderen wird dann Müll in den Wald geschmissen.

Wir von TerraTale wollen, dass wir gemeinsam für den Wald einstehen und auch Lösungen finden. Deshalb produzieren wir die Videos und Artikel, um den Austausch mit euch zu kommen.

Schreibt uns also gerne eure Gedanken zum Thema. Kommentiert an den Videos. Ihr könnt auch gerne Kontakt über die sozialen Medien zu uns aufnehmen!

Jowi

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